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Augen auf beim Preisvergleich: Berliner GASAG kann nicht rechnen [UPDATE]

Alles wird teurer.  Gas, Wasser, Strom und Benzin. Nur bei wenigen Dingen hat man das Gefühl, dass Preise sinken. Nun kauft man sich aber nicht jeden Monat einen neuen Fernseher oder Computer. Da bleibt einem nur übrig Preise zu vergleichen, Vergleichsangebote einzuholen und Vertragslaufzeiten sowie Kündigungsfristen immer im Blick zu haben.
Dass man dabei  aber immer ins Kleingedruckte gucken und auch mal nachrechnen sollte, zeigt uns als aktuelles Beispiel der Berliner Gasversorger GASAG.
Für den offensichtlichen Sparfuchs bietet die GASAG unter dem Namen GASAG-Fix einen zweijährigen Versorgervertrag zu einem monatlichen Grundpreis von 17,90 Euro sowie einem Arbeitspreis von 0,0624 Euro je kWh. Ein Bonus in Höhe von 50 Euro soll den Wechsel in den neuen Tarif schmackhaft machen.
Ganz einfach kann man seine ungefähre Jahresgebühr mittels eines Tarifrechners ermitteln und damit schneller einen Preisvergleich anstellen. Schnell den Jahresverbrauch aus dem letzten Jahr angeben und fix rechnet der Tarifrechner die zu erwartenden Jahreskosten aus. Doch dann die Überraschung: Die GASAG-Webseite weist einen weitaus günstigeren Preis aus als meine Berechnung mittels Excel ergab. Sollte ich mich verrechnet haben oder stimmt meine Formel nicht?

Rechnen wir ein Beispiel durch

Gegeben sind: Die Rechnung sieht dann wie folgt aus:
Grundpreis je Monat = 17,90 Euro
Arbeitspreis je kwh = 6,24 Cent
Verbrauch = 43000 kWh
(17,90 Euro * 12 Monate) +
(43000 kWh*0,0624 Euro)
= 2.898 Euro

Screenshot des GASGA-fix Tarifrechners

Screenshot des GASGA-fix Tarifrechners (19.09.2011 - 7:45 Uhr)


Die Webseite der GASAG zeigt hingegen einen Betrag an, der 231,02 Euro unter dem von mir errechneten Betrag liegt. Ein Nachfragen bei der GASAG-Hotline ergab, dass man dort sehr wohl die Grundrechenarten beherrscht und auf dasselbe Ergebnis kommt. Man versprach das weiter zu geben.
Da stellt sich dem Verbraucher die Frage: Was gilt hier eigentlich? Der ausgewiesene Falschbetrag oder muss ich als Kunde immer nachrechnen?
Update: 21.09.2011:
Auch nach 48 Stunden zeigt der Tarifrechner der GASAG noch immer falsche Berechnungen an. Für uns ein Grund, der Sache auf den Grund zu gehen.
Schauen wir uns die Webseite also noch einmal genau an. Beim Durchstöbern des Quellcodes  findet man neben JQuery-Aufrufen in Zeile 28 den Aufruf für eine Datei mit den Namen script.js.
Ganz offensichtlich finden hier die Berechnungen für den Tarifrechner  statt.

  1. if(e<=15000)
  2. {
  3.    $(".changy").text("11,95");
  4.    //$(".changm").text("6,295");
  5.    $(".changm").text("6,71");
  6.    var s = (f*0.0529+10.04*12)*1.19-50;
  7.    $(".sum").text(fmoney(s,2))
  8. }
  9. else
  10. {
  11.    $(".changy").text("17,90");
  12.    //$(".changm").text("5,819");
  13.    $(".changm").text("6,24");
  14.    var s = (f*0.0489+15.04*12)*1.19-50;
  15.    $(".sum").text(fmoney(s,2))
  16. }

Der erste Zweig kümmert sich dabei um die Berechnung, wenn man weniger als 15.000 Kwh als Verbrauch angegeben hat. Der zweite Zweig kümmert sich um die Berechnung bei mehr als 15.000 kwh. Man rechnet jeweils mit dem Netto-Arbeitspreis. Bei einem Verbrauch höher als 15.000 Kwh sind das dann 0,0489€ je Kwh. Da hat sich der Fehlerteufel eingenistet: Rechnet man auf den Nettopreis jetzt noch die 19% Mehrwertsteuer drauf, so kommt man auf einen Brutto-Arbeitspreis von 0,058191€. Das ist natürlich Quatsch – richtig wäre ein Nettopreis von 0,0524€ gewesen.
Das Skript weist zwei Stellen auf, in denen jeweils eine Zeile auskommentiert wurde mit zwei Schrägstrichen/Slash in Zeile 70 und 78. Dort hat man ältere Werte für den Arbeitspreis zum Anzeigen im Tarifrechner auskommentiert und in der Zeile darunter jeweils den neuen Arbeitspreis inkl. Mehrwertsteuer ausgewiesen. Beim Updaten des Skriptes hat man wohl schlichtweg vergessen die Zeile darunter auch zu updaten.
Update: 21.09.2011 – 21:31 Uhr:
Die GASAG hat nach einem zweiten, diesmal schriftlichen Hinweis, es nun doch geschafft seinen Tarifrechner zu korrigieren. Für freuen uns das wir helfen konnten und sind gespannt auf die Antwort der GASAG.
Update 19.10.2011: Auch nach 28 Tage bzw. 4 Wochen, nachdem die GASAG informiert wurde über den Fehler, gibt es keine Rückmeldung. Jeder Kontaktversuch per E-Mail wird nur quittiert mit einer Eingabgsbestätigung und Benachrichtigung

Ihre Anfrage per E-Mail haben wir erhalten. Leider können wir Ihr Anliegen nicht
sofort beantworten. Wir werden uns unaufgefordert mit Ihnen in Verbindung
setzen.
Für Ihre Geduld und Ihr Verständnis bedanken wir uns.

Kunden oder Interessierte der GASAG müssen sich anscheint in Geduld üben wenn Sie Kontakt suchen zum Berliner Energieunternehmen. Wir werden es einmal mit einem Brief 1.0 per Einschreiben versuchen und ärgern uns jetzt, dass wir nicht gemeinsame Sache mit einem Konkurrenzunternehmen gemacht haben. Den einen so fehlerhafter Tarifrechner kann man als Wettbewerbsverzug werten was eine empfindliche Abmahnung bedeuteten kann.
* Mit besten Dank an Panda

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