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Katastrophe in den Wolken

Es ist der Traum für (fast) jeden Anwender und viele Firmen. Man hat seine Daten und seine Anwendungen in der Wolke — bei Amazon, Google oder einem der anderen großen, dann aber schon weniger einschlägig bekannten Dienstleister. Und genau genommen will man sich auch darum nicht mehr wirklich kümmern müssen, wie der Anbieter heißt. Es soll nur einfach sein. Keine eigene Infrastruktur betreuen müssen, keine Software Updates, keine Hardwarepflege und keine Personaldecke. Die logische Weiterentwicklung des Outsourcing Hype der Nuller Jahre. Alles wird für einen erledigt. Von völlig kostenlos bis hin zu Beträgen denen man diese Infrastruktur nicht für sich allein auf die Beine zu stellen in der Lage zu sein meint.

Lanham Napier, CEO der Firma rackspace bringt die Leistung der Dienstleister sehr gut auf den Punkt:
We are focused on applications that run on the Web. For a (…) customer at Rackspace, you can log into the control panel and employ a server in 60 seconds.

Das macht eben den Reiz aus. So schön kann die Welt sein. Doch für den Privatanwender, als auch für kommerzielle Dienstleister ist es nicht ganz Risikofrei und will wohl überdacht werden. Keine eigene Infrastruktur zu betreuen, die Wartung und Pflege einem Dienstleister zu überlassen, heißt auch Vertrauen in die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Infrastruktur zu setzen. Seine Geschäftsbasis und die damit verbundenen Daten in die Hände eines IT-Spezialisten für Cloud Dienste zu legen, heißt Vertrauen in die Sicherheit vor Diebstahl und Verlust der eigenen Geschäftsgeheimnisse zu investieren. Wie hoch ist der Preis dafür? Ist der Preis zu hoch?
Cloud Services haben sich über die letzten Jahre etabliert. Die Nischenerscheinung hipper Web 2.0 Start-Ups rückt ins Gesichtsfeld etablierter Firmen und Konzerne. Die Kinderkrankheiten sind aber noch nicht ausgestanden. Vor allem große Namen der Web-Welt geraten immer wieder mit Datenverlusten, Ausfallzeiten und Leistungseinbrüchen oder Update-Pannen in die Schlagzeilen.
Im Jahr 2011 erwischte es die Amazon Web Services gleich mehrfach. Updates im Netzwerk ließen die Daten wild wuchern und nach Unwettern, Blitzschlägen und Hardware Defekten ging plötzlich dem Internet der Platz aus.

T-Mobile Sidekick


Bereits im Oktober 2009 erwischte es SideKick-Nutzer eiskalt. T-Mobile Sidekick war ein Smart Phone mit der Möglichkeit zum Speichern von Kontakten, Photos, Notizen und Kalendereinträgen. Erst nach 30 Tagen gab es dann für die Nutzer folgende Meldung: „T-Mobile is pleased that Microsoft/Danger has successfully recovered contacts for most Sidekick users following the recent outage. We continue to work around the clock to support Microsoft in its continued efforts to restore data for Sidekick customers.“ Nicht sicher ist, wie viele Nutzer am Ende einen großen Teil ihrer Daten verloren haben. Das zusätzliche Problem war die Sicherung von Kontakten aus der Wolke zu der SIM-Karte. Denn der SIM-Speicher reichte nach Forenbeiträgen nicht bei jedem aus und schon wieder waren Kontaktdaten verloren.
Auch Google und Hotmail blieben über die letzten Jahre nicht von Pannen verschont. Nutzer von Google Mail blickten zwischenzeitig auf leere Postfächer. Allerdings schien Google gut vorgesorgt zu haben und konnte die Postfächer wieder herstellen. Hotmail hat es wiederum nach einem ‚Vorfall‘ geschafft automatisiert Dummy-Accounts löschen zu wollen. Dumm gelaufen. Bei dieser Aktion wurden auch viele Tausend echter Accounts gelöscht. Aber auch hier gab es für die Nutzer ein gutes Ende und alle Accounts wurden wieder hergestellt.
Gleichfalls war dem Buzz SaaS (Software as a Service) nicht immer ein reibungsloser Betrieb möglich. Microsofts Business Productivity Online Standard Suite geriet bereits wiederholt ins Stocken. So gingen E-Mails mit Verzögerung von mehreren Stunden erst ein, das Login bei Outlook war bisweilen nicht möglich. Und was würde man wohl machen, wenn ein Word Online plötzlich seinen Dienst verweigert? Doch wieder zurück zum klassischen Desktop Office?
Fazit: Auch Cloud Dienste können ausfallen. Um sich abzusichern muss man seine Daten entweder breiter streuen oder einen Anbieter der das Bewusstsein für die Datensicherheit schon entwickelt hat finden. Ausfälle sind immer möglich und bestimmte Ausfälle lassen sich nie vermeiden. Die Frage ist, wie man als Anbieter seine Infrastruktur gestaltet, um auch großflächige Ausfälle für den Kunden transparent zu halten. Dabei gibt es zur Zeit den Trend zur Trennung von offenen und privaten Wolken. Aber bitte nicht verwirren lassen. Eine private Wolke ist immer daran gebunden alle Hardware und Software wieder bei sich und nicht bei einem Drittanbieter zu verwalten. Ansonsten hätte man wieder eine private public cloud.
 

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